Der Dodo, ein flugunfähiger Vogel von der Größe eines Truthahns, wurde im 17. Jahrhundert auf der Insel Mauritius entdeckt und bereits 1681 ausgerottet. Heute gilt er als Symbol für das vom Menschen verursachte Aussterben. Doch nun könnte der Dodo eine zweite Chance auf Leben bekommen – dank modernster Gentechnologie.
Colossal Biosciences und die Wiederbelebung des Dodos
Das US-amerikanische Biotechnologie-Unternehmen Colossal Biosciences aus Dallas, Texas, hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, nicht nur das Wollhaarmammut wiederzubeleben, sondern auch den Dodo zurückzubringen. Das Unternehmen arbeitet bereits an der genetischen Rekonstruktion ausgestorbener Arten und hat für dieses Projekt eine auf Vögel spezialisierte Abteilung gegründet. Mit Investitionen in Höhe von 225 Millionen Dollar von Partnern wie dem United States Innovative Technology Fund und In-Q-Tel, der Risikokapitalfirma des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, nimmt das Projekt Formen an.
Die genetischen Wurzeln des Dodos verstehen
Der engste lebende Verwandte des Dodos ist die Kragentaube, die in Südostasien beheimatet ist. Ein Forscherteam untersucht derzeit die genetischen Unterschiede zwischen der Kragentaube und dem Dodo. Ziel ist es, die Gene des Dodos zu entschlüsseln und zu verstehen, was diesen Vogel ausmachte. Im nächsten Schritt sollen Zellen der Kragentaube genetisch verändert werden, sodass sie denen des Dodos ähneln. Diese veränderten Zellen könnten dann in die Eier anderer Vögel, wie Tauben oder Hühner, eingesetzt werden, um Nachkommen zu erzeugen, die Dodo-Eigenschaften tragen. Doch dieser Prozess befindet sich noch in einem frühen theoretischen Stadium.
Die Wandertaube als weiteres Beispiel
Ein weiteres prominentes Beispiel für solche Wiederbelebungsversuche ist die Wandertaube, die einst in riesigen Schwärmen Nordamerika bevölkerte, aber 1914 ausstarb. Forscher arbeiten daran, das Erbgut dieser ausgestorbenen Art zu rekonstruieren und genetische Merkmale in das Genom der Schuppenhalstaube einzufügen, einem nahen Verwandten. So sollen Hybriden entstehen, die Eigenschaften der Wandertaube aufweisen. Aber auch dieses Vorhaben steht vor großen Herausforderungen, da die Verfahren der künstlichen Reproduktion bei Vögeln noch entwickelt werden müssen.
Ethische und ökologische Fragen
Die Wiederbelebung ausgestorbener Arten ist ein faszinierendes, aber auch umstrittenes Thema. Viele Wissenschaftler stellen die Sinnhaftigkeit solcher Projekte infrage und warnen davor, dass sie von dringend benötigten Maßnahmen zur Rettung noch lebender Arten ablenken könnten. Zudem bleibt unklar, wie sich wiederbelebte Arten in die heutigen Ökosysteme einfügen würden, die sich seit dem Aussterben der Tiere stark verändert haben. Dennoch bieten diese Projekte neue Möglichkeiten, Technologien zu entwickeln, die möglicherweise auch in anderen Bereichen, etwa in der Medizin, Anwendung finden könnten.
Ein neuer Blick auf den Umgang mit unserer Umwelt
Ob und wann der Dodo tatsächlich wieder über die Insel Mauritius stolziert, bleibt ungewiss. Doch die Fortschritte in der Gentechnologie öffnen Türen, die einst als verschlossen galten. Diese Entwicklungen könnten uns dazu anregen, über den Umgang mit unserer Umwelt nachzudenken und darüber, wie wir mit den Veränderungen umgehen, die wir selbst verursacht haben.