Wenn die Tage kürzer werden, Schnee fällt und Dauerfrost einsetzt, stellt sich für viele Hühnerhalter die Frage: Wie kommen meine Hühner gesund durch den Winter? Die gute Nachricht vorweg: Gesunde, ausgewachsene Hühner sind erstaunlich winterhart. Trotzdem benötigen sie in der kalten Jahreszeit besondere Aufmerksamkeit, damit Frost, Nässe und Dunkelheit nicht zu Gesundheitsproblemen oder Leistungseinbußen führen.
In diesem Artikel erfährst du, worauf es im Winter wirklich ankommt, welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche gut gemeinten „Tipps“ eher schaden als nützen.
Wie gut vertragen Hühner Kälte?
Hühner stammen ursprünglich aus wärmeren Regionen, haben sich aber über Jahrhunderte an unser Klima angepasst. Ein dichtes Federkleid schützt sie sehr effektiv vor Kälte. Temperaturen bis –10 °C sind für gesunde Tiere in der Regel kein Problem, solange sie trocken, zugfrei und gut versorgt sind.
Problematisch wird es vor allem bei:
- Nässe (feuchte Einstreu, Schneematsch)
- Zugluft
- Dauerfrost ohne Zugang zu Wasser
- Untergewicht oder Krankheit
Besonders empfindlich sind Jungtiere, sehr alte Hühner sowie Rassen mit großen Kämmen oder Läufen, da diese zu Erfrierungen neigen können.
Der Hühnerstall im Winter: Trocken, luftig, zugfrei
Der wichtigste Schutz im Winter ist ein gut vorbereiteter Stall. Dabei gilt: Ein Stall muss nicht beheizt, aber richtig gestaltet sein.
Lüftung statt Wärme
Ein häufiger Fehler ist das Abdichten aller Öffnungen aus Angst vor Kälte. Tatsächlich ist frische Luft extrem wichtig, denn feuchte, ammoniakhaltige Stallluft fördert Atemwegserkrankungen und Erfrierungen am Kamm.
Ideal ist eine zugfreie Dauerlüftung oberhalb der Sitzstangen.
Einstreu und Boden
- Verwende im Winter saugfähige Einstreu wie Stroh, Hobelspäne oder Hanf.
- Halte den Boden trocken, auch bei Schnee.
- Eine dickere Einstreuschicht wirkt leicht isolierend.
Sitzstangen und Schlafplätze
- Sitzstangen sollten breit genug sein, damit Hühner ihre Zehen beim Sitzen mit den Bauchfedern bedecken können.
- Metallstangen sind ungeeignet, da sie stark auskühlen.
Vorsicht bei Frost
Ein Stall darf ruhig kalt werden – Frost im Stall ist weniger schlimm als Feuchtigkeit. Wichtig ist nur, dass kein Wasser ausläuft und alles trocken bleibt.
Fütterung im Winter: Energie und Nährstoffe anpassen
Im Winter verbrauchen Hühner mehr Energie, um ihre Körpertemperatur zu halten. Die Fütterung sollte deshalb leicht angepasst werden.
Mehr Energie, aber kein Mastfutter
- Ein gutes Alleinfutter bleibt die Basis.
- Etwas Getreide am Nachmittag (z. B. Weizen oder Mais) kann helfen, da die Verdauung über Nacht Wärme erzeugt.
- Übermäßige Fettfütterung ist jedoch nicht sinnvoll.
Frisches Grün trotz Schnee
Auch im Winter brauchen Hühner Vitamine:
- Kohlblätter, Möhren, Rote Bete
- Äpfel (sparsam)
- Getrocknete Kräuter oder Luzerne
Diese sollten nicht auf den Boden, sondern aufgehängt oder in Schalen angeboten werden.
Wasser – der kritische Punkt
Hühner müssen jederzeit Zugang zu flüssigem Wasser haben.
- Gefrorene Tränken sind einer der häufigsten Winterfehler.
- Mehrmals täglich kontrollieren.
- Tränken leicht erhöht aufstellen, damit sie sauber bleiben.
- Elektrische Tränkenwärmer können sinnvoll sein, sind aber kein Muss.
Auslauf bei Schnee: Ja – aber richtig
Hühner mögen Schnee meist nicht besonders, können ihn aber problemlos betreten, solange er trocken und nicht vereist ist.
Tipps für den Winterauslauf
- Einen Bereich mit Stroh, Rindenmulch oder Sand abdecken, damit die Tiere nicht direkt im Schnee stehen müssen.
- Schneefreie Wege schaffen, vor allem zum Futterplatz.
- Bei starkem Wind oder Dauerfrost kann ein überdachter Auslauf helfen.
Frostschutz für Kamm und Füße
- Große Kämme sind anfälliger für Erfrierungen.
- Bei starkem Frost kann dünn Vaseline oder Melkfett auf Kamm und Kehllappen helfen.
- Keine Hausmittel mit Alkohol oder ätherischen Ölen verwenden.
Legen Hühner im Winter weniger Eier?
Ja – und das ist völlig normal. Der Hauptgrund ist Lichtmangel, nicht die Kälte. Die Legetätigkeit orientiert sich an der Tageslänge.
Kunstlicht – sinnvoll oder nicht?
- In Hobbyhaltungen ist keine Zusatzbeleuchtung notwendig.
- Zwangsbeleuchtung kann Stress verursachen und die Lebensleistung verkürzen.
- Eine natürliche Winterpause ist gesund für die Hennen.
Wenn dennoch beleuchtet wird, dann:
- Maximal auf 14 Stunden Tageslicht
- Immer mit Zeitschaltuhr
- Niemals plötzlich Licht an oder aus
Typische Winterfehler – und wie du sie vermeidest
Zum Abschluss ein paar der häufigsten Fehler:
- ❌ Stall abdichten und dadurch feuchte Luft erzeugen
- ❌ Gefrorenes Wasser nicht rechtzeitig bemerken
- ❌ Zu wenig Kontrolle bei Frost
- ❌ Überfütterung aus „Mitleid“
Besser:
- ✔ Täglicher kurzer Gesundheitscheck
- ✔ Trockener Stall mit frischer Luft
- ✔ Verlässliche Wasserversorgung
- ✔ Ruhe und Routine beibehalten
Winter ist keine Gefahr – mit der richtigen Vorbereitung
Der Winter stellt für Hühnerhalter besondere Anforderungen, ist aber kein Grund zur Sorge, wenn Stall, Fütterung und Wasserversorgung stimmen. Hühner brauchen keine Heizung, sondern trockene Bedingungen, frische Luft und verlässliche Pflege. Wer seine Tiere aufmerksam beobachtet und rechtzeitig reagiert, bringt sie gesund durch Eis und Schnee – und startet im Frühjahr mit vitalen Hennen in die neue Saison.





