Ein Huhn wird gemobbt – so erkennst du es und was du tun kannst

Hühner leben in sozialen Gruppen und etablieren ganz natürlich eine Hackordnung, in der klar ist, wer im Stall „oben“ und wer „unten“ steht. Diese Rangordnung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass wirkliches Mobbing stattfindet. Erst wenn Hennen über längere Zeit gezielt gejagt, gepickt oder körperlich verletzt werden, spricht man von einem Problem, das über normale Rangstreitigkeiten hinausgeht.

Wie erkennst du echtes Mobbing?

Typische Anzeichen sind:

  • Eine Henne wird regelmäßig und aggressiv von anderen verfolgt.
  • Sie wird von Futter und Wasser ferngehalten.
  • Es entstehen kahle Stellen oder gar blutige Wunden.
  • Das betroffene Tier sitzt oft isoliert und wirkt gestresst oder ängstlich.

Wenn nur kurzzeitig gepickt wird, kann das zur Hackordnung gehören – aber bleib aufmerksam, denn echte Ausgrenzung kann schnell ernstere Folgen haben.

Warum kommt es zu Mobbing?

Aggressives Verhalten kann verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Stress (z. B. Stallumzug, Futterumstellung, neue Hühner)
  • Langeweile oder fehlende Beschäftigung
  • Überfüllung im Stall oder Auslauf
  • Krankheit oder Schwäche eines Tieres, das dann isoliert wird
  • Fehlende Ressourcen (zu wenig Futterstellen, Sitzplätze etc.)

Mobbing ist also selten „böse Absicht“, sondern meist eine Reaktion auf äußere Umstände.

Was kannst du konkret tun?

1. Beobachten und Ursachen erkennen
Beobachte deine Hühner zu verschiedenen Tageszeiten. Achte darauf, ob einzelne Tiere öfter gejagt oder beim Fressen verdrängt werden. Dokumentiere Verhaltensmuster, um gezielt eingreifen zu können.

2. Ressourcen verteilen
Stelle mehrere Futter- und Wasserstellen auf und verteile sie räumlich getrennt, damit dominante Hennen nicht den Zugang blockieren. Das verringert Konkurrenzdruck und gibt verletzlichen Tieren mehr Chancen, selbständig zu fressen.

3. Beschäftigung schaffen
Langeweile kann Aggression verstärken. Biete deinen Hühnern Beschäftigung:

  • Strohbälle oder Futtersuchspiele
  • Hängende Kohlköpfe oder Gemüse
  • Sitzstangen, Rampen und Versteckzonen

All das lenkt ab und fördert natürliches Verhalten.

4. Verletzte oder gestresste Hennen schützen
Ist ein Huhn bereits verletzt, trenne es sicher vom Rest der Herde, damit es in Ruhe heilen kann. Die Quarantäne sollte so eingerichtet sein, dass andere Hühner es sehen können, aber nicht daran gelangen – so verliert es nicht komplett seinen Platz in der sozialen Gruppe.

Bei offenen Wunden kann ein hautberuhigender Wundspray helfen und weitere Verletzungen verhindern.

5. Ursache statt Symptom behandeln
Wenn es sich um wiederholte Mobbing-Fälle handelt:

  • Identifiziere den „Mobber“. Zeigt eine Henne besonders aggressives Verhalten, kann eine temporäre Trennung dieser Henne helfen, weil sie so ihre dominante Position verliert und das Gesamtverhalten abnimmt.
  • Neue Hühner immer in Gruppen einführen. Einzelne Neuankömmlinge werden leichter gehackt. Bringe sie besser zu zweit oder zu dritt zusammen in den Stall.
  • Vergrößere den Platz. Überfüllung ist einer der größten Stressfaktoren. Mehr Raum im Stall und Auslauf reduziert Konflikte.

Wann ist es sinnvoll, dauerhaft einzugreifen?

Du solltest definitiv einschreiten, wenn:

  • Die betroffene Henne regelmäßig angegriffen wird
  • Sie den Zugang zu Futter oder Wasser verliert
  • Es zu Verletzungen kommt
  • Sie sich dauerhaft isoliert und traurig wirkt

Solche Situationen sind nicht mehr „Rangordnung“, sondern echten Stress für das Tier.

Fazit: Aktiv handeln, statt warten

Mobbing unter Hühnern ist oft mehr als nur Hackordnung – es kann die Gesundheit und das Wohlbefinden deiner Tiere ernsthaft gefährden. Eine gute Haltung besteht nicht nur aus Futter und Stall, sondern auch aus einem wachsamen Blick auf soziale Dynamiken und gezielten Maßnahmen, um Harmonie in der Gruppe zu fördern. Mit ausreichend Platz, Beschäftigung und vorausschauender Planung kannst du vielen Konflikten vorbeugen – und wenn etwas aus dem Ruder läuft, schnell und verantwortungsvoll reagieren.

Hauke

Hühner im Garten seit Sommer 2023. Infos, Tipps und Co.

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